Auf nach Dänemark!

Jan 18th

Als Hamburgerin ist es so gut wie unmöglich, nicht einmal in seinem Leben in Dänemark gewesen zu sein, so wie ein Münchner ganz sicher schon mal in Österreich oder ein Aachner in Holland war. Bei einer sogenannten Butterfahrt, bei der man zollfrei Waren einkaufen konnte, passierte ich neunjährig erstmals die dänische Grenze. Doch erst mit 17  besuchte ich das Land dann wirklich, als ich mit meinem heutigen Lieblings-Ex-Freund und seiner Clique für eine Woche nach Fanö reiste, wo wir  ein Haus gemietet hatten. Das war ein echtes Ereignis, da wir erstmals gemeinsam in der Gruppe verreisten, was nicht eine Klassenreise war. Wir waren also unbehelligt von irgend einer Aufsichtsperson und konnten selbst entscheiden und bestimmen was wir tun und lassen wollten. Die Hälfte von uns war schon 18 und im Besitz eines Führerscheins und wieder die Hälfte davon besaßen weiße VW-Käfer, mit denen wir über die breiten Strände von Fanö nagelten. Dänemark erschien uns wie das war gewordene Paradies, ein Garten Eden. Dort gab es die besten Hot-Dogs der Welt, quietsch orange Fanta, unanständig rote Pölser und Spunk, salzige Lakritze. Die Jungs waren obendrein von den überall feilgebotenen Porno-Heften aus dem Super Brugsen inspiriert. Nur doof, dass es in unserem Ferienhaus nur ein Elternschlafzimmer gab. Die andere Zimmer erinnerten dann doch stark an Klassenreise mit ihren Etagenbetten. Verliebt und sexhungrig wie wir waren, blieb uns gar nichts anderes übrig als in die Dünen auszuweichen. Das hat er nun davon, der freizügige Däne. Die Häuser waren aber nicht nur sexfeindlich, sie waren seinerzeit auch kochfeindlich, mager ausgerüst und zugig. Am meisten störte mich das Bad, das man, sobald der erste geduscht hatte, nicht mehr trockenen Fußes betreten konnte, da die Duschen keine Wannen hatten. Nur ein Loch im Boden war für den Ablauf vorgesehen und damit war das gesamte Badezimmer überschwemmt.

Seit dieser ersten Fahrt nach Dänemark sind unzählige an beiden Küsten gefolgt. Einige Jahre später, als ich jungverheiratet war und kleine Kinder hatte, feierten wir regelmäßig Sylvester in Dänemark, waren aber auch über Pfingsten und anderen Feiertagen dort, da der Tauchverein meines Ex-Mannes seine Zelte entweder in Gammelmark oder Gammel Albo an der Ostsee aufschlug. Ich hätte damals blind durch Sönderborg oder Koldingen gefunden. Mit Hot-Dog konnte man mich schon lange nicht mehr locken, für Sex in den Dünen war ich zu müde, weil ich, während mein Mann tauchen ging, den Einkauf erledigte, zwei kleine Kinder versorgte und unter erschwerten Bedingungen den Haushalt schmiss und obendrein den scheißnassen Badezimmer-Boden wischen musste.

Die Dänen haben kulinarisch nichts zu bieten und der Wein ist unbezahlbar, also muss vieles, was man verzehren möchte, aus der Heimat mitgeschleppt werden, neben Töpfen und Pfannen, Handtüchern und Bettwäsche. So eine Fahrt nach Dänemark kam einem kleinen Umzug gleich. Wenn endlich alle Kisten und Koffer ins Ferienhaus geschleppt, die Betten bezogen und der Kühlschrank aufmonitioniert war, wurde es langsam Zeit, mit dem Kochen zu beginnen. Was für eine Plackerei!

Man hört es wohl, meine anfängliche Begeisterung für Dänemark schlug ins Gegenteil um. Nach der Trennung vom Vater meiner Kinder, habe ich keinen Fuß mehr in dieses Land gesetzt. Dänemark erschien mir urlaubsfeindlich und die Kleinstädte wie die  Ostseestrände hatte ich gründlich satt. Eine 20 jährige Dänemarkpause, die nur von einem wirklich schönen Kopenhagen-Tripp unterbrochen wurde, ging letztes Jahr zu Ende, als uns Freunde über Sylvester in ihr gemietetes Holzhaus nach Römö einluden. Mein Mann, war als Segler vollkommen ferienhausunerfahren. Also, versuchte ich ihn seelisch auf das, was uns dort erwarten würde vorzubereiten. Wir beide waren nach meinem Bericht kurz davor, ins Hotel zu ziehen. Was war ich angenehm überrascht, als ich feststellen durfte, dass eine gewisse Behaglichkeit, wie auch diverse Küchenutensilien, bis hin zum Geschirrspüler, in das Dänenhaus Einzug gehalten hatte. Insofern war ich tiefenentspannt, als nun jene Freunde uns erneut Anfang diesen Jahres nach Dänemark einluden, um dort einen 60sten Geburtstag zu begehen.

Seit dem hat sich meine Abneigung gegen Dänemark fürs erste vollends in Wohlgefallen aufgelöst und nicht nur das, ich möchte einen Besuch ausdrücklich empfehlen: Wir waren in einem ehemaligen Gutshof direkt am Fjord in Mitteljütland untergebracht. Das Haus war für 16 Personen bemessen, großzügig und geschmackvoll eingerichtet und ausgestattet, ideal, um später mit doppelt so viel Leuten zu feiern. Das Joggen am Fjord war ein Genuss, wie auch die Spaziergänge in der Umgebung. Den Vogel schoss allerdings, neben den vielen, beglückenden zwischenmenschlichen Begegnungen, ein Ausflug nach Aarhus, in die Kulturhauptstadt 2017 ab. Dort lohnt sich, gerade bei winterlicher Witterung, ein Besuch im ARoS-Kunstmuseums. Zwar ist der Eintritt mit 17 Euro gebührenpflichtig (Kinder unter 18 sind frei), aber es lohnt sich wirklich.

ARoS-Kustmuseum

Selbst Kunstbanausen kommen hier auf Ihre Kosten. Angefangen bei dem Regenbogen-Panorama-Gang im 10. Stock, der einen wunderbaren Blick über Stadt, Hafen und Ostsee gewährt.

Krakenkunst

Das Haus an sich ist eine Attraktion und bietet aus den unterschiedlichsten Stockwerken immer neue Aussichten.

Krakenkunst_Treppenhaus

Wer für Bilder nicht so viel übrig hat, wird mit skurrilen Objekten, schrillen Skulpturen und grandiosen Plastiken überrascht.

Riesen_Junge

Topf-Schuh

Telefon_Waffe

Selbst für den, dem das passive Rumgestehe und Gestaune zu viel wird, findet sich Abwechslung beim interaktiven Steppunterricht. Steppschuhe stehen bereit, die man sich einfach und unbürokratisch nehmen kann.

Steppen

Also, nichts wie hin: Auf  nach Dänemark!