Skippy-Yeah

Jan 23rd

Skippy, das Buschkänguru – so hieß eine gern gesehene TV Serie meiner Kindheit. Mit so einem praktischen Beutel ausgestattet zu sein, habe ich seinerzeit als klaren Vorteil der Evolution empfunden. Ist er nicht!
Seit einer Woche bin ich jetzt nach der OP wieder zu Hause. Mein ständiger Begleiter ist irgendein alberner Beutel um den Hals, um die kleinsten Dinge von A nach B zu tragen. Hände sind das eigentliche Wunder der Evolution! Nur dumm, wenn sich darin Krücken befinden.
Noch lästiger ist es im Supermarkt.

Ein Beutel am Hals zerrt ab 4 Kilo empfindlich an den Nackenwirbeln, ein falsch herum getragener Rucksack rutscht gern von den Schultern. Krücken und Bücken bilden zwar einen schönen Reim, trotzdem vertragen sie sich leider überhaupt nicht.
Dann hatte mir der Arzt in der vergangenen Woche mit auf den Weg gegeben, dass ich ja ab der dritten Woche den Fuß mit 20 Kilo belasten dürfte. Sein Tipp: Ich solle mich mit links auf die Waage stellen und bis zu besagten Gewicht auftreten. Toll – bringt in der Praxis nichts – dafür müsste ich mir die Waage unter den Schuh schnallen, um dann bei jedem Schritt, der sich verdächtig den 21 Kilo nähert, auf rechts zu springen.
Hausarbeit ist auch so eine Sache. Gut, dass mir dabei keiner zusieht. Ein Friseurstuhl auf Rollen erleichtert die Sache immerhin. Macht die Hände frei, um wahlweise Wäsche aufzuhängen oder einen Staubsauger vor sich her zu schieben. Dummerweise rollt es sich rückwärts am besten, kleine Schwellen werden zu größeren Hindernissen und auf einem dickeren Teppich geht nichts mehr.
Zugeschaut und mitgebaut, sagt man sich da. Es gibt ja diese feuchten Haushaltstücher, um öfter mal zwischen zu wischen und nicht ganz zu verlottern in der Rekonvaleszenz. Aber kann mir irgendjemand erklären, warum die Dinger nicht größer sind als ein Blatt Klopapier? Das schafft nichts!
Kochen geht irgendwie, zum Glück ist meine Küche ja recht überschaubar. Da muss ich die Krücken dann kurz abstellen. Die fallen dann grundsätzlich erst mal um – eine vernünftige Parkposition ist nicht vorgesehen. Nach einer halben Stunde auf einem Bein muss das Essen fertig sein, sonst wird die Gefahr groß, das zweite doch über die Maßen zu belasten.
Und dann diese Spritzen gegen Thrombose. Ich habe schon immer gesagt, dass ich kein Talent zum Junkie habe. Bei anderen kann ich bei einer OP am offenen Herzen zugucken oder auch ein Reh aus der Decke schlagen – aber sobald sich mir einer mit einer Spritze nähert, drehe ich am Rad. Jetzt muss ich das tatsächlich selber machen – täglich! 8 Wochen lang! Horror! Schon nach knapp drei Wochen finde ich keine freie Stelle mehr am Bauch. Diese Dinger machen hartnäckige blaue Flecken, die sich im Laufe der Tage regenbogenartig entwickeln. Das wird auch nicht zur Gewohnheit, sondern kostet täglich mehr Überwindung.
Am Schlimmsten ist die Langeweile. In meinem freiberuflichen Leben gab es ja immer Phasen, in denen ich mehrere Wochen mal nichts zu tun hatte. Bei körperlicher Unversehrtheit lässt sich das mit viel Zeit an frischer Luft, Besuchen von Museen, Ausstellungen und bei anderen Freiberuflern mit Tagesfreizeit überbrücken. Da lade ich mir dann auch mehrfach in der Woche Freunde und Familie ein und bekoche sie ausführlich.
Jetzt schaffe ich es maximal ins Kino. Glücklicherweise habe ich mein Auto noch nicht verkauft und bin dadurch mobil. Aber wohin? Einen Koffer könnte ich packen, aber nicht tragen. Ziele in Deutschland sind zu dieser Jahreszeit auch gerade nicht so attraktiv. Natürlich habe ich über Sonne und Cluburlaub und all inclusive nachgedacht, aber fliegen geht auch nicht.

Trotz all der Einschränkungen bin ich froh, die OP hinter mich gebracht zu haben. Der Chirurg hat mir versprochen, dass ich wieder joggen kann. Yippieh!
Es sind ja nur noch 9 1/2 Wochen, bis ich wieder ohne den Känguru-Beutel unterwegs sein kann. Abgesehen davon sind auch die überlangen Hinterbeine und der dicke Schwanz von Skippy keine Perlen der Evolution.