DER FLOTTE 3ER

Barbara Leuschner, geboren 1962:  DSC_0130

Ich bin nicht „von Hamburg wech“, sondern eine „Zugezogene“. Auch wenn das schon gute 30 Jahre zurück liegt, legen die Hamburger Wert auf diese Feststellung. Und das ist auch gut so, denn somit kann ich mich bei häufig auftretendem Mangel an detaillierter Ortskenntnis gelassen auf diese Position zurückziehen.

Ansonsten ist es mit dem Thema Gelassenheit bei mir aber nicht weit her, denn zum einen bin ich ein recht emotionaler und impulsiver Mensch und zum anderen stecke ich mittendrin im Dilemma „Wechseljahre“ – und zwar mit allen Schikanen und Drum und Dran.

Oft lasse ich den Miesepeter raushängen, obwohl ich von Grund auf ein lebensbejahender Mensch bin. Ob das wohl daran liegt, dass die Wurzeln meiner Eltern im Osten (Schlesien und Brandenburg) liegen? Denen sagt man ja nach, dass sie immer erst nach dem Haken an der Sache suchen. Oder?

Ein großer Pluspunkt hier im Norden ist meine Kontaktfreudigkeit, die ich aus meiner Heimat, dem Ruhrpott, herübergerettet habe. Denn die hat schon manchen Fischkopp aufgetaut – zum Beispiel meinen Mann (waschechter Pfeffersack).

Unsere drei Kinder, die bei dem Erbgut unterschiedlicher nicht sein könnten, sind mittlerweile erwachsen und haben das heimische Nest verlassen. Prima, jetzt könnte ich durchstarten mit all meinen Ideen, die ich seit Jahren auf die lange Bank geschoben habe. Doch da stehe ich und fühle mich nicht mehr gebraucht.

Dabei habe ich keine Minute meines bisherigen Lebens tatenlos verbracht, hatte trotz Kindern als „ewig Freiberufliche“ stets mindestens zwei Jobs am Start – und bin auf diese Weise ganz schön „rumgekommen“.

Vielleicht ist das jetzt der Zeitpunkt, einmal innezuhalten und zu sehen, wohin mich meine Kreativität treibt? Da lockt ein Gartenprojekt; Berge von Wolle warten darauf, verstrickt zu werden; Millionen von kleinen und großen Utensilien, die ich in unserer Wohnung verteilt habe (nein, ich bin kein Messie!), müssen noch zu gebauten Kunstwerken werden; wieder Theater spielen; endlich ein Buch schreiben; Menschen mit einer tollen Idee könnte ich den Kickstart anbieten; ein Blog, in dem ich gemeinsam mit Gleichgesinnten nochmal neu durchstarte?

 

Chris Weiland, geboren: 1963 2015-05-28 19.05.42

Ich komme aus Hamburg und trotz zahlreicher Wanderjahre durch die Republik und den Rest der Welt klebe ich mit Begeisterung an hanseatischer Scholle. Vielleicht weil die blühenden Kastanien in der Erikastraße das Erste waren, was ich im Leben gesehen habe. Aber auch andere prägende Dinge werden ja bekanntlich in der Kindheit festgelegt:

Mit 2 saß ich zum ersten Mal im Sattel und kann mich bis heute für Pferde begeistern.

Mit 3 hab ich mein erstes Bild gemalt. Meine Großmutter war Malerin und der Hang zur Kunst ist geblieben.

Mit 4 hat mich mein Großvater durch Feld, Wald und Flur geschleppt. Er war Biolehrer und ich finde fast alles toll, was die Natur so hervorbringt.

Mit 6 habe ich zum ersten Mal auf einer Bühne gestanden. Ihr dürft raten, was ich studiert habe: U.a. Theaterwissenschaften.

Und die Menschen sind und bleiben ja so erstaunlich unterschiedlich. Es kann gar nicht langweilig werden, ihre Geschichten zu erzählen, auch wenn ich das seit vielen Jahren fürs Fernsehen tue.

Auf die Bühne zieht es mich natürlich nach wie vor – da wo es im Damenlikörchor hinten rechts brummt.

Ich bin kinderlos und glücklich geschieden. Seither hat es mit längeren Beziehungen irgendwie nicht so richtig geklappt. Ich denke so wenig wie möglich darüber nach und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Mit 17 habe ich aufgehört, Fleisch zu essen und dafür mit dem Kochen angefangen, weil ich Tofu und Sojagranulat zum Würgen fand. Zum Glück war meine zweite Jugendliebe Koch mit eigenem Restaurant und hat es mir professionell beigebracht. Danke, Rolf – ich bin nach wie vor mit Begeisterung dabei und werde deshalb an dieser Stelle auch viel über Ernährung und Genuss berichten. Dafür nix über Schuhe – der Markt ist voll!

 

Sibylle Gassner, geboren 1961: DSC_0086_bearbeitet

Ich gehöre zu denjenigen, die sich den leckersten Happen auf dem Teller bis zum Schluss aufbewahren. Meine Devise lautet: Das Beste zum Schluss! Ich glaube felsenfest an ein Happy End und bin mir sicher, dass man mit den eigenen Gedanken Realität erschafft. Deswegen hat es mich überhaupt gar nicht gewundert, dass mein 50ster Geburtstag mit einer der schönsten bisher war. Mein Mann liebte mich sanft ins runde Wiegenfest hinein und am Tag fuhren wir bei Winterwunderland-Wetter und guter Sicht auf den Brocken, gleich zwei Höhepunkte, die ich so noch nicht kannte.

Dabei sah meine Lage 10 Jahre zuvor nicht ansatzweise so rosig aus. Ich war geschieden, betrauerte den Tod meiner Mutter, litt unter meiner Beziehungslosigkeit und kreuzte mit Job (Presse-Promo/Autorin) und zwei Kindern oft die Grenze zur Überforderung. Gut zehn Jahre habe ich fast ausschließlich im Laufschritt verbracht und obwohl ich mir rückblickend eingestehen kann, dass es eine schwere Zeit war, würde ich keinen Tag mit meinen geliebten Kindern eintauschen. Ich wusste, dass die Zeit mit mir ist, die Belastung nachlassen würde, ich zwar älter sein, mich aber jünger fühlen würde.

Heute sehe ich zwar nicht besser aus, aber ich fühle mich tatsächlich besser. Meine Prioritäten haben sich verschoben, schon längst gebe ich den inneren, statt den äußern Werten den Vorzug. Ich muss mich nicht mehr abhecheln, um soundso auszusehen, soundso viel zu wiegen, das oder jenes zubesitzen oder darzustellen. Ich kann mich sein lassen.

Ich bin viel, viel großzügiger als früher und kann besser verzeihen, auch mir selbst. Und das ist eine unendliche Erleichterung. Dieses ewig Kritische loszulassen, sich und seine Gefühle einfach annehmen zu können, gut zu heißen wie es ist – dieses Geschenk habe ich dem Älterwerden zu verdanken und das wird mit jedem Tag besser 🙂

Fotos © Katja Rataj

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